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Stanislava Součková
(27. 11. 1923 - 23. 7. 1997)
Tschechische Sopranistin

"Es war mir immer eine Genugtuung,
wenn ich jemandem Freude bereiten,
ihn in Trauer trösten
und
zur Nachahmung inspirieren konnte..."
 


 Aufnahmen aus dem Meininger Theater:
G. Verdi: La Traviata (24. 11. 1963)

 
Meininger Theater, G. Verdi: La Traviata (24. 11. 1963)Meininger Theater, G. Verdi: La Traviata (24. 11. 1963) - Germont/R. Wolek, Alfred/R. Kvirenc
 
Stanislava Součková sang wie eine sprudelnde Quelle, wie am Firmament ziehende Wolken,  sie sang wie ein Weg seinem Ziel zustrebt. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit gestaltete sie auch ihr Leben. Ihr Lachen war wahrhaftiges Lachen – und nichts anderes, ihre  Freude wirkliche Freude, ihre Tränen wirkliche Tränen, ihr Ärger wirklicher Ärger und ihr Schweigen wirkliches Schweigen. Die Unmittelbarkeit ihres reinen Herzens bleibt unvergessen für alle, die sie liebten. Mit kindlichem Vertrauen nahm sie Licht und Schatten ihres Lebens an und dieses Vertrauen bestimmte all ihr Wollen und Können: Ihre Liebe, ihre Arbeit und ihr Talent. Das wahrhaftige Leben von Frau Součková spiegelte sich in der Wahrhaftigkeit ihrer Kunst wider.
 
Sucht  man nach den Quellen ihres Wesens, findet man ihrer gleich zwei: Die Altertümlichkeit der bäuerlichen Familie, aus der sie abstammte und die evangelische Tradition. Die Verbindung dieser Quellen  trägt den Namen Velim. Dort wurde Stanislava Součková am 27. November 1923 geboren. Vom Vater erbte sie ihre Begabung für den Gesang und von der Mutter eine begeisternde Bejahung des Lebens.
 
Ihre ersten musikalischen Grundkenntnisse bekam Stanislava Součková  von der Professorin Olga Mančalová in Kolín vermittelt. Entscheidend war jedoch ihre Ausbildung durch den Musikpädagogen Josef Masopust in Chrudim. Über das von Masopust erworbene Wissen und Inspiration verfügte sie allerdings nach eigenem Willen. Sie wußte, dass sie ihr Talent weiterzuentwickeln hatte. Sie griff aber nach einer verlockenden Frucht, vor welcher sie der erfahrene Pädagogen gewarnt hatte. Im Jahre 1940/41 findet sich die Absolventin der Familienschule in Chrudim als Studentin des Konservatoriums in Prag wieder.
 
Unter Leitung von Ferdinand Pujman verfeinerte Stanislava die Natürlichkeit ihrer dramatischen Ausdrucksform und unter der Obhut der Pädagogin Jaromíra Tomášková reifte ihr einzigartiger Sopran. Ihre Stimme wurde vor allem geschult durch Lieder - und Lieder lagen Stanislava Součková immer sehr nahe. Lieder gehörten zu ihrer Kindheit im evangelischen Chor und im Sportverein „Sokol“ in Velim. Stanislava wurde das ganze Leben lang von Liedern begleitet, auch über ihre Theaterkarriere hinaus. Lieder und Oratorien bildete den größten Teil ihrer künstlerischen Laufbahn. Ein reichhaltiges Liederrepetoir ergänzte ihre Operetten- und Opernkarriere, denn sie war überzeugt, dass ein Sänger sich nur durch das Lied vom Bühnenpathos befreien kann, seine Stimme dabei verfeinert wird und er nur so die Tiefe des reinen Gesangausdrucks zeigen kann.
 
Auf ähnliche Art und Weise arbeitete sie später mit dem Rundfunk zusammen. Ohne Kulissen, Beleuchtung und Kostüme teilte sie die musikalische Botschaft nur mit Hilfe ihres Gesangs mit. Nicht jeder Sänger besteht diese Prüfung. Stanislava war jedoch für diese Prüfung geschaffen. Deshalb kam ihr der Rundfunk sehr freigiebig entgegen und somit konnte sichergestellt werden, dass zumindest ein Teil ihres Repertoires mit der Zeit nicht verschüttet wird.
 
Im Jahre 1943 sang Konservatoristin Součková zum ersten mal auf der Bühne des Nationaltheaters. Im gleichen Jahr schied ihr Vater freiwillig aus dem Leben und hinterließ in der drückenden Kriegsatmosphäre sein Landgut und eine einundvierzigjährige Witwe mit vier unversorgten Kindern. Knapp zehn Jahren später wurde dieses Gut zerstört, die Familienglieder ins Deputathaus verbannt und im Obstgarten wurden blühenden Bäume samt Wurzeln herausgerissen. Man schrieb das Jahr 1950.
 
Zu dieser Zeit war Stanislava Součková bereits Absolventin des Konservatoriums und bereitete sich auf ihr Absolutorium an der Kunstmusikakademie vor. Sie heiratete den evangelischen Pfarrer Jaroslav Ryšavý, brachte die Tochter Hana zur Welt und erlebte bittere Zeiten als Ehefrau eines politischen Gefangenen: Im Prozess gegen die evangelische Intelligenz im Jahre 1949 wurde ihr Gatte Jaroslav zu sechs Jahren Haft verurteilt, von denen er drei Jahre absitzen musste. Im Mai 1952 gab Stanislava Součková im Staatstheater in Karlin ihr Absolventendebut „Mařenka“. Damals ahnte sie noch nicht, dass sie neun Jahre auf dieser Bühne verbleiben wird.
 
Das Karliner Theater hatte damals Niveau, Noblesse und viele bedeutende Persönlichkeiten, die hier vom damaligen Regimes ‚kaltgestellt’ wurden. Zu ihnen gehörten Jiří Frejka, der Součková zur Bewerbung einlud, Oldřich Nový und Věra Macků, mit denen Součková die berühmte Mamselle Nitouche („Nituška“) sang, Alfred Radok, Vlasta Burian, Ljuba Hermanová, Jaroslava Adamová, Karel Effa, Ota Motyčka, Nelly Gaierová, Karel Fiala und viele andere. Součková war, wie es die Operette fordert, reizend, ausgelassen, kokett und sorglos, aber vor allem – sie sang großartig. In dieser Zeit brachte sie ihr zweites Kind zur Welt und sie sehnte sich nach der Oper.
 
Ganz allein studierte sie Violetta aus Traviata und Gilda aus Rigoletto ein und erlebte mit ihnen im Jahre 1958 auf der Bühne des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava einen überwältigenden  Erfolg. Im Gegensatz dazu war das Nationaltheater in Prag lediglich bereit sie gelegentlich zu Gastvorstellungen einzuladen. Im Jahre 1961 nahm sie ein Angebot der Oper des Südböhmischen Theaters in Budweiß an. Wie stets bei ihren spontanen Entscheidungen bedachte sie dabei nicht die weitreichenden Folgen. Sie machte alle  Mitglieder der Familie zu Bürgern Südböhmens und für sich selbst öffnete sie den Weg zu einem breiten Sopranrepertoire, zur tschechischen und zur Welt-Oper. Sie wurde ein Star auf der südböhmischen Bühne. Ein Star, der auch gerne und hervorragend kochte, Pullover und Socken strickte. Stanislava wusste sich in jeder praktischen Situation zu helfen. Mit dreiundvierzig Jahren brachte sie ihr drittes Kind zur Welt. Nichts davon war dem Glanz ihres großartigen Könnens abträglich.
 
Bei voller Schaffenskraft beendete Stanislava Součková mit der Saison 1973/74 ihre Opernkarriere. Danach arbeitete sie als Dozentin, später Professorin für Gesang an der Südböhmischen Pädagogischen Fakultät. Sie war die erste Professorin in Tschechien für den Fachbereich „vokale Ausbildung“ und gab ihre Erfahrungen gerne weiter. Ein Konzert anlässlich ihres 60 Geburtstages ließ niemanden im Zweifel, dass sie weiterhin eine großartige Sängerin ist. Es verblieben ihr dreizehn Jahre eines schönen und erfüllten Lebens, an dessen Ende sie - ähnlich wie Violetta – zum wievielten Male? – vergeblich einer tückischen Krankheit trotzte. Diesmal war es jedoch ernst. Stanislava Součková – Ryšavá starb am 23. 7. 1997.
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